Stuttgart, den 22.02.2012
Willkommen im Pressefenster von edith wahlandt galerie

 
 EDITH WAHLANDT GALERIE


   Kontakt: Edith Wahlandt-Mettler
   ewm@edith-wahlandt-galerie.de
  MALEREI - VIER POSITIONEN 
  

http://www.edith-wahlandt-galerie.de  
 
Erschienen am: 17.12.2011
 
Malerei - vier Positionen
 
Andreas Brandt, Günter Fruhtrunk, Rupprecht Geiger, Kuno Gonschior
28. Januar bis 5. April 2012

Eröffnung, Samstag, 28. Januar, 11-14 Uhr
Um 12 Uhr spricht Hans-Peter Riese, Köln.
 
Die edith wahlandt galerie beginnt das Ausstellungsjahr 2012 mit der Ausstellung Malerei – vier Positionen. Gezeigt wird eine Auswahl an Gemälden von Andreas Brandt (geb. 1935), Günter Fruhtrunk (1923-1982)), Rupprecht Geiger (1908-2009) und Kuno Gonschior (1935-2010). Der zeitliche Bogen spannt sich von wegweisenden frühen Bildern aus den 50er und 60er Jahren hin zu Werken aus Ende der 90er Jahren. Dabei macht der Blick zurück auf markante Positionen der konkreten und analytischen Malerei zweier Generationen zugleich deren heutige Aktualität deutlich.

Die unmittelbare Gestaltung mit den konkreten Bildmitteln Fläche, Farbe, Linie und Raum ist grundlegend für die ausgestellten Arbeiten. Auf ganz unterschiedliche Weise wird die Leinwand zum autonomen Bildraum, in dem sowohl objektive Ordnungseinheiten wie Maß, Proportion und Zahl als auch die Analyse physikalischer, optischer und sinnlich-emotionaler Gesichtspunkte von Farbe bildkonstituierend sind.

Andreas Brandt zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Vertretern der konkreten Malerei in Deutschland. Sein stringentes Werk beruht auf streng geometrischen Gestaltungsprinzipien und ist sowohl von Harmonie und Klarheit als auch Spannung und Bewegung gekennzeichnet. In der Ausstellung wird sein Frühwerk Schwarz-Grün-Gelb von 1969, in dem er schräg verlaufende Farbbalken als gestaltendes Element zur Dynamisierung der Fläche einsetzt, zu sehen sein. Später findet er mit der Setzung vertikaler Streifen auf einem querformatigen Bildträger zu einem Bildkonzept, dessen Variationsmöglichkeiten er in der Folgezeit durchspielt, so auch in dem Werk o.T., 1979.

Schon mehrfach zeigte die edith wahlandt galerie das Werk von Günter Fruhtrunk im Rahmen repräsentativer Einzelausstellungen und Messepräsentationen. Seine Position in dieser Ausstellung ist definiert durch seine Leidenschaft für die kontrastierende, vibrierende und alles Materielle überstrahlende Farbe. Er verwendet eine Gleichsetzung von Farbe=Form nicht um ichgebundene Vorstellungen und Seelenzustände mitzuteilen, sondern um ein Jetztfeld des Sichtbaren (G.F.) und damit absolute Sachlichkeit zu formulieren. Rhythmisierte Farbstreifen in Spannung zum Bildfeld gesetzt, erzeugen eine Konzentration räumlicher Energien, siehe VERT EXCENTRIQUE (1968) und GR. KADENZ ET I“ (E30), (1970).

Rupprecht Geiger ist unter den für diese Malerei-Ausstellung ausgewählten Künstlern der Magier der Farbe. Sein Lebenswerk hat er der Schönheit von Licht und Farbe, vor allem der Farbe Rot, gewidmet. Folglich nimmt die Darstellung von Farbe als Licht, Lichtempfänger und Lichtvermittler einen zentralen Stellenwert ein. Es ist die Farbe, die seine Formen definieren. Deshalb wird sie ganz aus dem Dienst der Form gelöst und ihr Eigenwert und ihre geistige Dimension zur Geltung gebracht. Farben atmen, sind in Bewegung, wachsen aus der Tiefe, erzeugen und verschlingen Licht. Repräsentativ für seine Malerei werden ein frühes Bild E 187, von 1952 sowie das Gemälde 521/68 (1968) und das späte monochrome Werk Leuchtrot von 1997 gezeigt.

Mit Kuno Gonschior, einem der renommiertesten Vertreter der analytischen Malerei, wird eine Malereiposition vorgestellt, die konsequent die Farbe unter physikalischen, optischen und konzeptuellen Gesichtspunkten zum alleinigen Thema und Inhalt macht. Ich arbeite wie in einem Laboratorium experimentierend und kalkulierend (K.G.). Beim Betrachten der verwendeten Komplementärfarben entstehen Nachbilder und Simultaneffekte. Bekannt wurde er mit seinen Leuchtfarbenbildern, die im Tages- oder Schwarzlicht optische Täuschungen hervorrufen, wie z.B. in dem grossformatigen Bild Rote Punkte von 1970.(H.L.)



Bildbeschreibungen


Andreas Brandt (geb. 1935)
o.T., 1979, Öl auf Leinwand, 115 x 190 cm, 28.000 Euro


Es gilt, was man sieht. Das ist die Welt des Bildes und das will ich betonen, indem ich es abschließe und mit dem Rahmen Distanz schaffe (A.B.) Je intensiver sich der Betrachter mit seinen streng rational aufgebauten Bildern beschäftigt, umso stärker öffnen sie sich. Zu beobachten ist in seinem Gemälde o.T. von 1979 die enge Verbindung eines schwarzen und eines blauen vertikalen Farbstreifens in der Mitte des Bildes, denen jeweils ein Gegenpart zugeordnet ist.
Solchermaßen in einen klaren Bezug zueinander und zum hellen Bildgrund gesetzt, können sich die Energien von Fläche und Farbe freisetzen. Es scheint, als schwebten sie im leeren Raum. Während die Farben Klang suggerieren, erzeugen die Streifen oder Balken auf der Fläche den Rhythmus. Die Werke von Andreas Brandt erinnern an visualisierte Klangräume.

Günter Fruhtrunk (1923-1982)
VERT EXENTRIQUE, 1968, Acryl auf Leinwand, 190 x 180 cm, 100.000 Euro


Werden Fruhtrunks Werke der 50er Jahre noch von einem Figur/Grund-Verhältnis bestimmt, so ändert sich dies ab den 60er Jahren. Konfigurationen aus Kreisen und Rechtecken treten zurück zugunsten einer Bildstruktur aus parallelen Stäben und Balken. Ohne Angabe eines Vorder- und Hintergrundes wird das Bildfeld in VERT EXCENTRIQUE durch vertikal nebeneinander angeordnete Farbbänder rhythmisiert. Farbe ist partikulare Lichtfrequenz (G.F.).
Der Komplementärkontrast von Rot und Grün in Verbindung mit den schwarzen Farbbändern erzeugt ein Spannungsfeld aus Zonen des Lichts und der Dunkelheit. Ihre Energie weist über die begrenzenden Ränder des Bildes hinaus. Ganzheit, die auch Fruhtrunk anstrebte, konnte nur in einem dauernden Trennen und Binden und nicht in Integration bestehen, so Eugen Gomringer.

Rupprecht Geiger (1908-2009)
E 187, WV 115, 1952, Eitempera auf Holz, 83 x 100 cm, 80.000 Euro


Die Weite der russischen Landschaft, farbige Himmel und unendliche Horizonte, das Licht des Südens: Auch sein herausragendes Frühwerk von 1952 lässt solche Landschaftsbeobachtungen ahnen, zeigt jedoch zugleich sein primäres Interesse an Farbe und Licht, die für ihn eins sind. Es geht ihm um die Steigerung von Farbe und Farbkontrasten. Hell und Dunkel, Nah und Fern, Kalt und Warm harmonieren in diesem Raum-Bild miteinander.
Definiert wird dieser illusionäre Raum durch schwebende und lastende Bildelemente, die - skulptural wirkend - in ihrer scheinbaren Schwere im Kontrast zum leuchtend roten Himmels-Licht-Raum stehen. Durch subtil nuancierte Farbbewegungen vibriert und atmet die rote Farbe, kreist und öffnet den Blick in die geheimnisvolle Weite und Tiefe des Alls. Geigers Suche nach dem Unbegrenzten im begrenzten Raum wird hier nachvollziehbar.


Kuno Gonschior (1935-2010)
Rote Punkte, 1970, Acryl und Leuchtfarbe auf Leinwand, 185 x 185 cm, 85.000 Euro


Gonschiors, im Kontext der analytischen, elementaren Malerei stehenden Werke betreiben eine Analyse von Farbe unter physikalischen und physiologischen Gesichtspunkten. Dabei geht es ihm um die Wahrnehmung des Bildes als Farborganismus, als ein lebendiges Wesen, so Gonschior. Beim Betrachten der grünen Punkte auf rotem Grund in seinem Bild von 1970, gemalt mit Leuchtfarben, ist die Kontrastwirkung der Komplementärfarben optisch nachvollziehbar. Intensive rote Punkte überlagern als Nachbilder den roten Bildgrund. Das Bild scheint dadurch in ständiger Veränderung und Bewegung zu sein. Man könnte auch von einer kosmischen Zuordnung der Bewegungselemente (Matthias Bleyl) sprechen.

Die Biographien der Künstler sowie Bilder und Texte unter http://stage.biz2media.com/vpo/office/268 oder als PDF-Anhang.

Abbildungen Fruhtrunk und Geiger: Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2011





Andreas Brandt (geb. 1935)
o.T., 1979
Öl auf Leinwand, 115 x 190 cm
28.000 Euro
Günter Fruhtrunk (1923-1982)
VERT EXENTRIQUE, 1968
Acryl auf Leinwand, 190 x 180 cm
100.000 Euro
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Rupprecht Geiger (1908-2009)
E 187, WV 115, 1952
Eitempera auf Holz, 83 x 100 cm
80.000 Euro
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Kuno Gonschior (1935-2010)
Rote Punkte, 1970
Acryl und Leuchtfarbe auf Leinwand
185 x 185 cm, 85.000 Euro
Andreas Brandt
Foto: David Brandt, Dresden
Günter Fruhtrunk, Karlsruhe 1973
Foto: Adelheid Heine-Stillmark
Rupprecht Geiger
Foto: Dietmar Schneider, Köln
Kuno Gonschior
Foto: Werner J. Hannappel, Essen
  Brandt 2011 Biografie

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  Fruhtrunk Biografie

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  Geiger 2008 Biografie

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  Gonschior 2009 Biografie

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  Andreas Brandt (geb. 1935)
o.T., 1979
Öl auf Leinwand, 115 x 190 cm
28.000 Euro
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  Günter Fruhtrunk (1923-1982)
VERT EXENTRIQUE, 1968
Acryl auf Leinwand, 190 x 180 cm
100.000 Euro
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  Rupprecht Geiger (1908-2009)
E 187, WV 115, 1952
Eitempera auf Holz, 83 x 100 cm
80.000 Euro
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  Kuno Gonschior (1935-2010)
Rote Punkte, 1970
Acryl und Leuchtfarbe auf Leinwand
185 x 185 cm, 85.000 Euro
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