Stuttgart, den 22.02.2012
Willkommen im Pressefenster von edith wahlandt galerie

 
 EDITH WAHLANDT GALERIE


   Kontakt: Edith Wahlandt-Mettler
   ewm@edith-wahlandt-galerie.de
  MALEREI - VIER POSITIONEN 
  

http://www.edith-wahlandt-galerie.de  
 
Erschienen am: 04.04.2011
 
Katharina Hinsberg Lacunae
 
14. Mai bis 16. Juli 2011

Eröffnung, Samstag, 14. Mai 2011, 11-14 Uhr
Um 12 Uhr spricht Reinhard Ermen, Stuttgart/Köln
 
Vom 14. Mai bis 16. Juli zeigt die edith wahlandt galerie neue Arbeiten von Katharina Hinsberg (geb. 1967). Im Rahmen von Messepräsentationen und Ausstellungen war die Künstlerin bereits mehrfach in der edith wahlandt galerie vertreten, letztmals 2007 in einer Einzelschau.

Unter dem Ausstellungstitel Lacunae (lat.: Vertiefungen, Löcher, Lücken, Fehlstellen) ist die neue Werkgruppe der Linien/Gitter, eine Auswahl ihrer Strichgitter sowie der großformatige weiße Papierschnitt Netz zu sehen. Ergänzt wird die Werkschau aktueller Arbeiten mit einer Auswahl an Decoupagen von 1998, die ein Jahr später im Kunstmuseum Bonn (Zeichnung heute, II) als Rauminstallation ausgestellt waren. Dass sich im Laufe ihrer künstlerischen Arbeit nicht die Technik sondern vielmehr die Erscheinungsweise geändert hat, macht die Auswahl der gezeigten Werke nachvollziehbar.

Katharina Hinsberg hat sich als Zeichnerin einen Namen gemacht. Das Medium Zeichnung führt sie – im Hinblick auf ihre konzeptuelle Vorgehensweise, Arbeitsgeräte und Präsentationsformen – in grenzüberschreitende Bereiche hinein. Sie denkt die Zeichnung, ihre Bedingungen und räumlichen Möglichkeiten neu. Zeichnen bedeutet für sie auch Ritzen, Schneiden, Stanzen und Falten. Indem sie sich auf die gezeichnete und ausgeschnittene Linie konzentriert und mit dem Raum arbeitet, reflektiert sie die Zeichnung als Möglichkeit von Trennung, Scheidung oder Unterscheidung (Johannes Meinhardt).

In ihren aktuellen Linien/Gittern scheinen rote, kreisende Liniengespinste auf einer geometrisch strengen Gitterstruktur zu schweben. Zeichnung horizontaler und Zeichnung vertikaler Linien, dazwischen leere Felder, so dass die Blicke auch von beiden Seiten passieren können, zwischen Dort und Hier, so die Künstlerin über ihre Zeichengitter. Der Wechsel von Leere und Fülle, Ratio und Empfindung, Beständigkeit und Flüchtigkeit definiert ihre Wahrnehmung und Verarbeitung der Welt, bezeichnet das Dort und Hier als Kommunikation naturbezogener Außenblicke mit einer sensiblen Innenwelt.

Durch ein partielles Ausschneiden der ursprünglichen Zeichnung - rote, vertikal verlaufende Streifen im Wechsel mit dem Weiß des Bildgrundes - verwandelt Hinsberg ihre Strichgitter in eine leichte und flüchtige Bewegungsform, die sich reliefartig dem Dreidimensionalen öffnet. Besonders hervorzuheben ist die Papierarbeit Netz (2011), ein in großen Schwüngen gezeichnetes Liniengeflecht, welches sie ausschneidet, wobei ein zweites, ebenfalls bezeichnetes Blatt unterlegt wird.

Konsequent ist ihr Schritt hin zu raumbezogenen Installationen, so 1999 im Kunstmuseum Bonn, von der in der Ausstellung eine Auswahl gezeigt wird. Die fein geschnittenen und fragilen, zauberhaft wirkenden Lineaturen (Decoupagen) sind wie eine Insektensammlung (K.H.) mit Nadeln an der Wand befestigt. Diese täglich angefertigten Notate folgen weniger Impuls, Äußerung und Ausdruck, als Regelmaß und Pensum (K.H.).



Bildbeschreibungen

1. Linien/Gitter 003, 2011, Farbstift auf Papier, ausgeschnitten, 79,5 x 59,5 cm, 2.350 €

In Katharina Hinsbergs neuer Werkgruppe Linien/Gitter bilden horizontale und vertikale Linien ein weißes Gitter, das mit Blick auf die Zeichnungstradition an eine Hilfskonstruktion zum genauen Abzeichnen erinnert. Für Hinsberg ist ein Zeichengitter selbst Zeichnung: ein regelmäßiges lineares Gerüst, dazwischen leere Felder. Ein florales Gespinst aus kreisenden Linien breitet sich aus; fragil und somit verletzlich verortet es sich in der scheinbaren Stabilität der strengen Gitterstruktur. Das Wesen im Beiläufigen, Zufälligen, Unsicheren, Schwebenden einzufangen, wie Ruth Diehl schreibt, darin liegt die Intention der Zeichnerin.


2. Linien/Gitter 004, 2011, Farbstift auf Papier, ausgeschnitten, 79,5 x 59,5 cm, 2.350 €

Während sich das Gitter aus Einzelteilen wie ein Stabwerk zusammenfügt, also tatsächlich dinglich hergestellt werden kann, so die Künstlerin, lenken subjektive Empfindungen den Fluss der roten Linien. Mit dem Farbstift fängt sie in einem freien und schnellen Gestus die flüchtigen Bewegungsspuren von Hand und Körper ein. Um sich kreisend, verdichten sich die Linien zu einem zarten Knäuel, das Vergangenes einfängt, in sich einschließt und Gegenwart verkörpert. Ich zeichne in der Wiederholung eines Zeichenrepertoires, das Erinnerungen, Hergebrachtes und Ahnungen umgarnt, sich immer wieder selbst hervorbringt… (K.H.).


3. Linien/Gitter 005, 2011, Farbstift auf Papier, ausgeschnitten, 59,5 x 49,5 cm, 2.000 €

Das Werk von Katharina Hinsberg gründet auf einem ganz eigenen Begriff von Zeichnung, den Herbert Köhler in folgende Schritte gliedert: Durchdenke das Außen, filtere es im Innen, sublimiere es in intuitiv-grafischen Gesten und suche eine Raumform für seine gewandelte Wiederkehr. Rhythmisch gesetzte Striche, an skripturale Notationen erinnernd, reihen sich locker aneinander, markieren die Horizontale der aus Quadraten aufgebauten Gitterstruktur. Dem Eindeutigen und Logischen wird Bewegung, Flüchtigkeit und Durchlässigkeit eingeschrieben.



Katharina Hinsberg

1967 geboren in Karlsruhe
1987-89 Ausstattung am Theaterhaus Stuttgart
1989-90 Studium der bildenden Kunst, Akademie der bildenden Künste München
1990-93 Studium der bildenden Kunst, Hochschule der bildenden Kunst Dresden
1993-95 Etudes d’Arts Plastiques, Ecole des Beaux Arts Bordeaux
1997 Lichtinszenierung der Oper Der Venusmond, Empire States Building, New York /Kunsthalle Krems
2003-2009 Professur für Zeichnen an der HfK Bremen
2011 Professur für konzeptuelle Malerei, HBK Saar, Saarbrücken
Lebt auf der Raketenstation Hombroich


Ausstellungen (Auswahl)

2011 edith wahlandt galerie, Stuttgart (E)

linie, lilne, linea, Museo Nacional des ArtesVisuales Montevideo

Transparent Boundaries, Museum of Birmingham, GB

2010 withdrawn, Städtische Galerie Offenburg (E)

Cut.Scherenschnitte 1970-2010, Kunsthalle Hamburg

linie, line, linea. Zeichnung der Gegenwart, Kunstmuseum Bonn

2009 Die Gegenwart der Linie, Pinakothek der Moderne München

2008 binnen, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (E)

Perceiden (Wandzeichnung), Kunstmuseum Stuttgart

Streifen, Landesgalerie Oberösterrreich, Linz, Österreich (E)

Zeichnung als Prozess – aktuelle Positionen der Grafik, Museum Folkwang Essen


Auszeichnungen und Arbeitsstipendien

2010 1. Preis Kunst-am-Bau-Wettbewerb, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Berlin

2004 Workspace Program of the MUKA printstudio, Auckland, Neuseeland

2003 Arbeitsstipendium des Landes Rheinland-Pfalz, Künstlerhaus Edenkoben

2002-03 Cité des Arts, Paris

2002 Förderpreis der Stadt Konstanz

Arbeitsstipendium der Landeshauptstadt München, Villa Waldberta

2000 Artist in Residence, The Chinati Foundation, Marfa, Texas

Projektförderung Frieze of Fricatives durch die GOLART-Stiftung

1999 Stipendium Kunstfonds e.V.

Sonderpreis Baden-Württemberg der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

1998 Stipendium Kunststiftung Baden-Württemberg

1996-97 Akademie Schloss Solitude, Stuttgart

1996 Dorint-Preis, Hochschule der bildenden Kunst Dresden

1994 Reisestipendium der Ecole des Beaux Arts Bordeaux für Los Angeles

Studienstipendium des deutsch-französischen Jugendwerks für Bordeaux


Linien/Gitter 003, 2011
Farbstift auf Papier, ausgeschnitten
79,5 x 59,5 cm, 2.350 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Foto: Achim Kukulies
Linien/Gitter 004, 2011
Farbstift auf Papier, ausgeschnitten
79,5 x 59,5 cm, 2.350 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Foto: Achim Kukulies
Linien/Gitter 005, 2011
Farbstift auf Papier, ausgeschnitten
59,5 x 49,5 cm, 2.000 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Foto: Achim Kukulies
Katharina Hinsberg
Foto: Charlotte Kons
Katharina Hinsberg
Foto: Charlotte Kons
 
  Andreas Brandt (geb. 1935)
o.T., 1979
Öl auf Leinwand, 115 x 190 cm
28.000 Euro
  ansehen

 
  Günter Fruhtrunk (1923-1982)
VERT EXENTRIQUE, 1968
Acryl auf Leinwand, 190 x 180 cm
100.000 Euro
  ansehen

 
  Rupprecht Geiger (1908-2009)
E 187, WV 115, 1952
Eitempera auf Holz, 83 x 100 cm
80.000 Euro
  ansehen

 
  Kuno Gonschior (1935-2010)
Rote Punkte, 1970
Acryl und Leuchtfarbe auf Leinwand
185 x 185 cm, 85.000 Euro
  ansehen