Stuttgart, den 22.02.2012
Willkommen im Pressefenster von edith wahlandt galerie

 
 EDITH WAHLANDT GALERIE


   Kontakt: Edith Wahlandt-Mettler
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  MALEREI - VIER POSITIONEN 
  

http://www.edith-wahlandt-galerie.de  
 
Erschienen am: 21.11.2010
 
Günter Fruhtrunk (1923-1982)
Emotion und Klarheit
 
22. Januar bis 9. April 2011
Eröffnung am Samstag, den 22. Januar von 11 – 14 Uhr
Um 12 Uhr spricht Helmut Friedel, Direktor des Lenbachhauses München.
 
In der edith wahlandt galerie ist seit 1999 zum dritten Mal ein repräsentativer Überblick über das malerische Oeuvre von Günter Fruhtrunk, der im Alter von 59 Jahren 1982 verstorben ist, im Rahmen einer Einzelausstellung zu sehen. Die Präsentation umfasst eine Auswahl an herausragenden Werken aus den 50er, 60er und 70er Jahren bis hin zu einem Spätwerk, darunter auch einige neu vom Nachlass zum Verkauf freigegebene Bilder. Fruhtrunk gehörte in der Nachkriegszeit zu den ersten deutschen Malern, die den Anschluss an die internationale konstruktive Kunst fanden. Ausgehend von diesen frühen Anregungen entwickelte er eine eigenständige, streng geometrische Formensprache, die von einer spezifischen Dynamik, von Rhythmus und Spannung im Bildfeld gekennzeichnet ist. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der geometrisch-konstruktiven Kunst in Deutschland, wobei sein Werk auch international zunehmend Beachtung findet.

Fruhtrunks Frühwerk charakterisiert ein dynamischer Geometrismus aus rechteckigen und kreisförmigen Elementen, die eine virtuelle Bewegung im Bild bewirken, so in dem Gemälde o.T (NICHT ÜBERLAGERNDE ELEMENTE) aus dem Jahr 1955. In einem Brief an Max Bill definiert Fruhtrunk 1958 die Grundlagen seiner künstlerischen Intention: "Forderung nach Formgefüge und tektonischem Bilden, geistige Durchdringung von Farben und Rhythmen".

Um 1960 treten Konfigurationen aus Kreisen und Rechtecken zurück zugunsten einer rhythmisierten Bildstruktur aus parallel gesetzten Stäben und Balken, vertikal, horizontal oder diagonal verlaufend, zum Beispiel VERT EXCENTRIQUE von 1968. Anordnung und Rhythmisierung der Farbbänder erzeugen einerseits Ruhe und Balance, andererseits ein dagegen ankämpfendes, dynamisches Element. "Ganzheit, die auch Fruhtrunk anstrebte, konnte nur in einem dauernden Trennen und Binden und nicht in Integration bestehen", so Eugen Gomringer.
Die Konzentration räumlicher Energien ist auch in den Bildern der 70er Jahre wahrzunehmen. In diesen Arbeiten kommt es zu einer stärkeren Expansion und Intensivierung der Farben und Farbkontraste, wie das Gemälde EROSION (1975) exemplarisch nachvollziehbar macht. Die Gleichsetzung von Farbe = Form wird nicht benutzt, um "ichgebundene Vorstellungen und Seelenzustände" mitzuteilen, sondern um ein "Jetztfeld des Sichtbaren" (G.F.) zu formulieren. Das heißt, Fruhtrunk strebt nach größtmöglicher Anonymität und Objektivität in der rationalen Systematik seiner Bildkompositionen, verzichtet auf Inhalt und Weltdeutung, Idealisierung und Zufall. Er konzentriert seine Kunst auf die Wahrnehmung des Sichtbaren. Für Fruhtrunk ereignet sich deshalb Kunst im Sehen immer neu. Es ist das "Freisein des Sehens" das die Wahrnehmung rhythmisierter Farb-Klänge möglich macht und dabei die Grenzen des Bildes überschreitet.
In dem Maße, wie in seinen späten Gemälden sein Ich spürbar gegenwärtig ist, werden die Bilder von der "Unmöglichkeit des Gesichertseins“"(G.F.) erfüllt. Sie lassen trotzt ihrer formalen Klarheit von Emotionen geleitete Begegnungen zu, z. B o.T (EINBRECHENDER GRUND), 1980. Fruhtrunk hatte, sagt Helmut Friedel, eine "geradezu explosionsartige Präsenz". (H.L.)

Hinweis:
ART COLOGNE – 13. bis 17. April 2011 - Werke von Günter Fruhtrunk werden im Zentrum der Galeriepräsentation stehen.



Bildbeschreibungen


ZWISCHEN SPITZEN GEGENSATZ, 61-1962, Acryl auf Hartfaser, 33,5 x 31,5 cm, 30.000 €

Werden Fruhtrunks Werke der 50er Jahre noch von einem Figur/Grund-Verhältnis bestimmt, so ändert sich dies ab den frühen 60er Jahren. Die Formen schieben sich, ohne Angabe eines Vorder- und Hintergrundes zusammen, als würden sie von einem Magnet gelenkt. So formieren sich in seinem frühen Gemälde unterschiedliche Partikel zu einer das Bildfeld in ein dynamisches Spannungsfeld versetzenden Begegnung von Farbe und Nichtfarbe. Erweckt die rechte Bildhälfte den Anschein von Ordnung, so stören die Rundungen im linken Bildsegment die rechtwinklige Ordnungsstruktur. Solche Unregelmäßigkeiten der Flächenformen erweisen sich als grundlegende Qualität, um im Bild statt geschlossener Systeme Offenheit aufrechtzuerhalten.


GROSSE KADENZ, 1972, Acryl auf Kasein auf Leinwand, 191 x 265 cm, 150.000 €

Diagonale Flächenbahnen beherrschen die Bildkomposition als dynamische Abfolge von Schwarz, Grün und Grau. Anordnung und Rhythmisierung der wechselnden Farbbahnen rufen die Vorstellung eines weiten, nur als Ausschnitt im Bild gegenwärtigen Bildfeldes hervor. Eine höchst irritierende Wirkung erzeugen zudem bei genauer Betrachtung die systematisch als Begrenzung der zentralen hellen Farbbänder gesetzten roten Linien, die Vibrationen hervorrufen. Dieses optische Phänomen kommentiert Fruhtrunk mit den Worten: "Meine Bilder sind Sprung, Ruf, Ruhe und Spannung und zugleich Kritik daran".


EROSION, 1975, Acryl auf Kasein auf Leinwand auf Spanplatte, 54,5 x 67, 5 cm, 35.000 €

Ab Mitte der 70er Jahre nehmen in Fruhstrunks Bildern Größe und Bedeutung der einzelnen monochromen Farbflächen zu. So ordnet er in seinem Bild EROSION unterschiedlich breite, parallel verlaufende Farbstreifen in der Vertikale an. Farbe löst beim Sehen, wie Fruhtrunk formuliert, "Prozesse der heftigsten Vorgänge des Bindens und Trennens" aus. Ihr unerwartetes Auftreten und Kontrastieren mit anderen Farben im Bild erweckt ihre besondere Energie. So entfalten die dominierenden roten Farbbahnen, im Kontrast zu den schwarzen Farbstreifen und den schmalen, hellgrünen Bändern ihr Potenzial: sie signalisieren kraftvolle Vitalität, entfalten die ihnen innewohnende Lichtintensität, stehen für Gegenwart. Fruhtrunks Kunst ereignet sich im subjektiven Sehen immer wieder neu.


o.T. (EINBRECHENDER GRUND), o. J. (1980), Acryl auf Leinwand, 148,5 x 139,5 cm, 68.000 €

Die enge Bänderstruktur bricht in seinem Spätwerk auf, der Pinselduktus ist sichtbar, die Farben erscheinen schlierenartig. Größere Farbfelder dominieren und führen zu Spannungen zwischen Konstruktion und Expression. In diesem Gemälde von 1980 werden diagonal verlaufende Farbbahnen, von schwarzen Dreiecken rechts unten und links oben begrenzt. Schwarz wirkt von unten stabilisierend, am oberen Bildrand wird die Ausdehnung dann jäh gebremst. Dazwischen entfalten sich die orange/gelb- und ockerfarbene Flächen "großräumiger, atmungsvoller", wie Max Imdahl schreibt, und werden zu einer die Bildstruktur beherrschenden, expressiven Kraft. Emotionale Intensität tritt gegenüber der Systematik seiner Bildkonstruktion in den Vordergrund.



Biographie


Günter Fruhtrunk (1923-1982)

1923 geboren in München
1940-1941 Studium der Architektur
1945-1950 Schüler von Wilhelm Straube
1952 Arbeit im Atelier von Fernand Léger, Paris
1953 Stipendium des Landes Baden-Württemberg und Gouvernement Francais
1954 Übersiedlung nach Paris
1955 Arbeit im Atelier von Hans Arp
1961 Prix Jean Arp, Köln vom Kulturkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie
1966 Médaille d’argent, "Prix d’Europe", Ostende
1967 Professur an der Akademie der bildenden Künste, München Burda-Preis für Malerei, Große Kunstausstellung München
1982 verstorben in München


seit 1947 Beteiligung an wichtigen Themen- und Gruppenausstellungen national und international; ebenso Einzelausstellungen in Privatgalerien und Museen in Europa, den USA und Canada:

1963 Museum am Ostwall, Dortmund (EA), 1965 "The responsive eye", MOMA, New York, 1967 "Vom Konstruktivismus zur Kinetik", Musée d’Art Contemporain, Montreal, 1968 Documenta IV, Kassel, 34. Biennale Venedig, 1982 "Hommage á Barnett Newman", Neue Nationalgalerie Berlin, 1993 Neue Nationalgalerie Berlin (EA), Westfälisches Landesmuseum, Münster (EA), Städtische Galerie im Lenbachhaus München (EA), Staatsgalerie moderner Kunst München, 2002 ARITHMEUM, Bonn (EA).


ZWISCHEN SPITZEN GEGENSATZ, 61-1962
Acryl auf Hartfaser
33,5 x 31,5 cm, 30.000.- Euro
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Foto: Städt. Galerie im Lenbachhaus München
GROSSE KADENZ, 1972
Acryl auf Kasein auf Leinwand
191 x 265 cm, 150.000.- Euro
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Foto: Städt. Galerie im Lenbachhaus München
EROSION, 1975
Acryl auf Kasein auf Leinwand auf Spanplatte
54,5 x 67, 5 cm, 35.000.- Euro
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Foto: Städt. Galerie im Lenbachhaus München
o.T. (EINBRECHENDER GRUND), o. J. (1980)
Acryl auf Leinwand
148,5 x 139,5 cm, 68.000.- Euro
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Foto: Städt. Galerie im Lenbachhaus München
Günter Fruhtrunk, Karlsruhe 1973
Foto: Adelheid Heine-Stillmark
 
  Andreas Brandt (geb. 1935)
o.T., 1979
Öl auf Leinwand, 115 x 190 cm
28.000 Euro
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  Günter Fruhtrunk (1923-1982)
VERT EXENTRIQUE, 1968
Acryl auf Leinwand, 190 x 180 cm
100.000 Euro
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  Rupprecht Geiger (1908-2009)
E 187, WV 115, 1952
Eitempera auf Holz, 83 x 100 cm
80.000 Euro
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  Kuno Gonschior (1935-2010)
Rote Punkte, 1970
Acryl und Leuchtfarbe auf Leinwand
185 x 185 cm, 85.000 Euro
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