Stuttgart, den 22.02.2012
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 EDITH WAHLANDT GALERIE


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  MALEREI - VIER POSITIONEN 
  

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Erschienen am: 21.02.2010
 
Dreiklang – Raimund Girke, Gotthard Graubner, Günther Uecker
 
23. Januar bis 15. Mai 2010



Bildbeschreibungen
 
Raimund Girke

o.T., 1958, Gouache/Karton, 40 x 17,5 cm, 15.000 €

1958/59 entstehen in der Auseinandersetzung mit dem Informel schwarze und graue Arbeiten von Girke, deren Farbauftrag durch malerische Gestik und eine pastose Oberflächenstruktur gekennzeichnet ist.

Schuppen- bzw. Schindelformen im Zusammenspiel mit Farbe bilden in seiner Gouache von 1958 einen nahezu flächendeckenden Rhythmus aus, der den Übergang von der Werkgruppe seiner "Schichtungen" hin zu seinen "Schwingungen" markiert. Lichtdurchtränkte Farbstreifen wechseln sich mit dunklen, schattigen Bahnen ab, schwingen nach vorne und zurück und lassen ein lebendiges Aktionsfeld entstehen.


Horizontal, Vertikal, 1967, Eitempera/Leinwand, 90 x 90 cm, 40.000 €

Quadratische Felder, die gesamte Bildfläche gliedernd, scheinen unter dem in Schichten aufgetragenen Farbschleier auf. Durch das changierende Weiß gerät dieses strenge Liniengerüst in eine sanfte, fast schwebende Bewegung. "Ich will in meinen weißen Bildern den Bildraum nicht fixieren sondern das Bild in ein Stadium führen das über die Bewegung in der Fläche hinaus und unbegrenzte räumliche Bewegung ermöglicht. Diese beruht auf dem feinnuancierten an- und abschwellenden Weiß", formuliert Girke 1963.

Neben seinem malerischen Interesse an der Farbmaterie Weiß ist die Organisation der Fläche durch horizontale und geometrische Gliederungselemente grundlegend für seine Bilder der 60er Jahre.


o.T., 1999, Öl/Leinwand, 200 x 220 cm, 68.000 €

Im Laufe seines künstlerischen Schaffens entwickelt Girke einen freier gesetzten, gestischen Pinselduktus, der sich zwischen künstlerischer Selbstäußerung und Erzeugung einer räumlichen Bildstruktur bewegt. Weiße Farbbahnen, durch lockeres Aufsetzen des mit Farbe getränkten Pinsels erzeugt, ziehen in versetzten Rhythmen durch das Gemälde und bauen ein dynamisch strömendes Strukturfeld auf.

Immer wieder scheint neben dem Weiß die Gegenfarbigkeit – hier das kühle Blau – kontrastierend auf. „Farbe, die sich zwischen warm und kalt bewegt, die Ruhe vermittelt, ohne die Bewegung auszuschließen, und zwischen Stille und Lärm sich entfaltet“ (R.G.).


Suite: Vegetativ, 2001, Bleistift/Papier, 32 x 40 cm, 2.400 €

2002 zeigte die edith wahlandt galerie eine Werkauswahl der letzten Zeichnungen von Raimund Girke, u. a. aus der „Suite: Vegetativ“ (2001), begleitet von einer Publikation. Beobachtungen und sinnliche Erfahrungen in der Natur sind Auslöser.

Wie in seiner Malerei so bestimmen auch im Medium Zeichnung Gegensätze das Bildgeschehen. Die Dynamik des Zeichnens verdichtet sich im Bild zu einer konzentrierten Ruhe und macht so die Erfahrung von Zeit möglich.


Gotthard Graubner

o.T., 1977, Gouache/Bütten, 49 x 49 cm, 9.000 €

Dass Graubner die Farbe als Farborganismus sich entfalten lässt, ihr Eigenleben beobachtet und ihre Eigengesetzlichkeit respektiert, ist auch in seiner "Malerei auf Papier" (Graubner) wahrnehmbar. Aus einem quadratischen, erdig-braunen Bildgrund hebt sich eine, in ihren Farbtönen zwischen Rot und Rotbraun changierende Fläche ab und scheint vor dem dunklen Untergrund leuchtend zu schweben.

Verkörperte Farbe, das Lebendige, die Fläche atmet: dies sind Beobachtungen und sinnliche Empfindungen. Es ist, als könnte man "die Sonne hinter der Leinwand" sehen, so beschreibt Gottfried Boehm die starken Energien, die in der Farbe aufscheinen. Und Katharina Schmidt spricht von einer "künstlerischen Bezauberung, wie sie in unserer Zeit selten ist".


o.T., 1990, Aquarell/Papier, 38 x 28 cm, 9.000 €

Der Bildträger ist mit übereinandergelegten und ineinander fließenden Rottönen durchtränkt, die sich zu einem zarten, lebendig durchwirkten Bildereignis verbinden. Es findet nicht nur eine Interaktion der Farbe mit dem Bildträger statt, auch der Blick des Betrachters wird in die Tiefe geleitet und durchdringt die Farbschichten. Gleichzeitig kommt ihm die Farbe wie ein flüchtiger "Lichthauch" aus dem Bildgrund entgegen. Dieses aktive Zusammenspiel lässt die Fläche pulsieren.


Farbraumkörper, 1991, Acryl/Öl/Leinwand, 115 x 100 x 13 cm, 95.000 €

Ein warmes Orange, ein zartes Rot, ein leises Grün und luftiges Gelb: sonnige Farben des Südens fließen, werden aufgehalten, stauen, drängen, vermischen sich und kommen zur Ruhe. Der "Farbleib" ist in Bewegung und pulsiert. Mitte der 70er Jahre entwickelt Graubner seine "Farbraumkörper". In diesen ist das plastische Volumen des aufgepolsterten "Bildleibes" mit der größtmöglichen Flächenausdehnung der Farbe und deren "Vermögen zur Verkörperung" (Gottfried Boehm) identisch geworden.

Graubners künstlerische Intention, der Farbe ihren Körper zu geben, macht seine Werke zu lebendigen Organismen. Farbe=Verdichtung zum Organismus=Malerei, so lautet der konsequent bis heute verfolgte Grundsatz Graubners.


Farbraumkörper, 1991, Acryl/Öl/Leinwand, 115 x 100 x 13 cm, 95.000 €

Verschiedene Rottöne, vom Licht warm durchtränkt und partiell wolkig aufgelockert, bewegen sich aus der Tiefe des Bildkörpers hervor. "Meine Bilder sind Spiegel des Lichts, Quellen und Filter, sind Trampoline des Lichts. Das Licht wird von der angespannten Haut der Bilder zurückgeworfen, es dringt unter die Haut, füllt die Hohlräume und lässt den Puls der Farben durch die Haut nach außen dringen".

Die stoffliche Oberfläche seiner Farbraumkörper - sie ist deckend, schützend, durchlässig und ermöglicht so einen Austausch von Innen nach Außen, bzw. von Außen nach Innen - vergleicht Graubner mit der Haut. Es ist das Zusammenwirken von Farbe, Körper und Raum, das seine Farbraumkörper zu malerischen, Sensibilität und Konzentration verlangenden Werken macht.


Günther Uecker

Regen, 2009, Tusche/Leinwand, 300 x 500 cm, 150.000 €

In einem freien Rhythmus besetzen schwarze Tuschetropfen die monumentale Leinwand. Sie breiten sich, an den Niederschlag eines prasselnden Regenschauers erinnernd, scheinbar unkontrolliert und tänzerisch leicht aus. Durch das bewegte Spiel von Hell und Dunkel, das an Ueckers genagelte Strukturbilder denken lässt, verwandelt sich die Bildfläche in ein spannungsvolles Raumerlebnis.

Der Betrachter spürt die vitale Aktion des Entstehungsprozesses und taucht zugleich in die beruhigenden, meditativen Bildstrukturen ein, die sich durch den körperlichen Rhythmus ergeben. Es sind Gedanken an die ewigen Prozesse der Natur, die sich beim Betrachten dieser sich scheinbar endlos wiederholenden und variierenden Tropfenmuster einstellen.


Regen, 2009, Tusche/Papier, je 108 x 80 cm, je 12.000 €

Neben seinen Objekten und Installationen hat Uecker immer wieder Arbeiten auf Papier geschaffen. Auch in diesen fünf Zeichnungen ist sowohl die Nähe zu naturhaften Prozessen als auch sein körperbezogenes Arbeiten wahrnehmbar. So greift Uecker in seiner neuen Werkgruppe "Regen" von 2009 ein Thema auf, dass ihn schon seit den 50er Jahren beschäftigt. Doch während sich in den frühen schwarzen und grauen Strukturbildern ein statisches, undurchdringliches Bildfeld aufbaut, bestimmen Spontaneität, Bewegung und Offenheit seine neuen Tuschezeichnungen.


Raimund Girke
o.T., 1958
Gouache/Karton, 40 x 17,5 cm
15.000 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Raimund Girke
Horizontal, Vertikal, 1967
Eitempera/Leinwand, 90 x 90 cm
40.000 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Raimund Girke
o.T., 1999
Öl/Leinwand, 200 x 220 cm
68.000 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Raimund Girke
Suite: Vegetativ, 2001
Bleistift/Papier, 32 x 40 cm
2.400 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Raimund Girke
Suite: Vegetativ, 2001
Bleistift/Papier, 32 x 40 cm
2.400 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Gotthard Graubner
o.T., 1977
Gouache/Bütten, 49 x 49 cm
9.000 €
Gotthard Graubner
o.T., 1990
Aquarell/Papier, 38 x 28 cm
9.000 €
Gotthard Graubner
Farbraumkörper, 1991
Acryl/Öl/Leinwand, 115 x 100 x 13 cm
95.000 €
Gotthard Graubner
Farbraumkörper, 1991
Acryl/Öl/Leinwand, 115 x 100 x 13 cm
95.000 €
Günther Uecker
Regen, 2009
Tusche/Leinwand, 300 x 500 cm
150.000 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Günther Uecker
Regen, 2009, Tusche/Papier
je 108 x 80 cm, je 12.000 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Günther Uecker
Regen, 2009, Tusche/Papier
je 108 x 80 cm, je 12.000 €
Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2010
 
  Andreas Brandt (geb. 1935)
o.T., 1979
Öl auf Leinwand, 115 x 190 cm
28.000 Euro
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  Günter Fruhtrunk (1923-1982)
VERT EXENTRIQUE, 1968
Acryl auf Leinwand, 190 x 180 cm
100.000 Euro
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  Rupprecht Geiger (1908-2009)
E 187, WV 115, 1952
Eitempera auf Holz, 83 x 100 cm
80.000 Euro
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  Kuno Gonschior (1935-2010)
Rote Punkte, 1970
Acryl und Leuchtfarbe auf Leinwand
185 x 185 cm, 85.000 Euro
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