Stuttgart, den 22.02.2012
Willkommen im Pressefenster von edith wahlandt galerie

 
 EDITH WAHLANDT GALERIE


   Kontakt: Edith Wahlandt-Mettler
   ewm@edith-wahlandt-galerie.de
  MALEREI - VIER POSITIONEN 
  

http://www.edith-wahlandt-galerie.de  
 
Erschienen am: 17.12.2007
 
Rückblick: Katharina Hinsberg
 
15. September bis 15. Dezember 2007
Eröffnung: Samstag, 15. September 2007, 11.00 -20.00 Uhr
Um 12.00 Uhr spricht Dr. Ruth Diehl, Bonn
 
Nach einigen Jahren der Zusammenarbeit im Rahmen von mehreren Messepräsentationen und einer Gemeinschaftsausstellung mit Oskar Holweck zeigt die edith wahlandt galerie nun in einer Einzelausstellung die Zeichnerin Katharina Hinsberg (geb. 1967). Schwerpunkt der vom 15. September bis 15. Dezember dauernden Werkschau sind in diesem Jahr entstandene, erstmals gezeigte Arbeiten. Das Medium Zeichnung führt die Künstlerin – im Hinblick auf ihre konzeptuelle Vorgehensweise, Arbeitsgeräte und Präsentationsformen – in Randbereiche hinein und denkt Zeichnung, ihre Bedingungen und Möglichkeiten, neu. Zeichnen bedeutet für sie auch Ritzen, Schneiden, Stanzen und Falten des Papiers.

Die gezeichnete Linie, die sie mit der Schere oder dem Skalpell aus- oder umschneidet, wird aus dem Papier gelöst und öffnet sich so in den realen Raum (siehe "Strichgitter“). Konsequent ist deshalb auch der Schritt hin zu raumbezogenen Installationen (z. B. im Kunstmuseum Bonn), in denen die gezeichneten Lineaturen gitterartig den Raum verschränken bzw. als rote Rahmen "Felder zeichnen“ (K.H.).

Zentral für ihr Werk ist der Begriff "Feld“. "Mir kommt zunächst die Bildhaftigkeit des Wortes Feld entgegen, gerade so, als könnte ich mich darin unmittelbar wie in einer Landschaft aufhalten und zeichnen. (…). Ich sehe sogar ein bestimmtes Feld. Ich sehe es als Schollen-, Stoppel-, Raps- und Roggenfeld“. Ihren in der Natur wahrgenommenen Beobachtungen, z. B. leise Bewegungen der sich im Wind hin und her wiegenden Gräser, Tautropfen, Wellen, gepflügte Felder, tanzende Schneeflocken und "Regenschauer in Bindfäden“ (siehe die Werkgruppe "Diaspern“) folgt der Schritt nach innen, d. h. die reflektierte wie auch intuitive Auseinandersetzung mit dem Medium Zeichnung. Es geht ihr um Grundbedingungen der Zeichnung, um Hand, Blatt, Stift, Strich, Rand, Raum, Bewegung, Grenze. Und sie fragt: Ein Feld von außen, in seinen Grenzen wahrzunehmen, bedeutet dies auch, das Feld als Bild zu begreifen, wie z. B. die rote "Rechtecksilhouette“ mit dem Titel "Marginalis“? Katharina Hinsberg schneidet mit dem Skalpell die gezeichneten roten Umrisse von Rechtecken aus, ein Rahmen entsteht, der mit Abstand vor der Wand hängend ein Feld absteckt und die Fläche der Wand in einen abstrakten Bildinhalt zu transformieren vermag.

Intellektuelle Substanz, analytisches Denken und poetische Intensität machen ihr geregelt unregelmäßiges Linienwerk zu biografischen Spuren im Kontext von Natur, Ästhetik und individueller Sinnlichkeit.

Hinweis: art alarm, 8. Stuttgarter Galerienrundgang, Samstag, 15.9., 11.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag, 16.9., 11.00 bis 18.00 Uhr


Bildbeschreibungen

5412 Diaspern I+0, 2007
Graphit auf Papier, ausgeschnitten
je 210 x 150 cm, je 7.500 EUR
Foto: Christian Blei, Düsseldorf

5415 Diaspern I+0, 2007
Graphit auf Papier, ausgeschnitten
je 84,1 x 59,4 cm, je 1.700 EUR
Foto: Christian Blei, Düsseldorf

Der Begriff Diaspern leitet sich aus einer Renaissance-Webart ab, in der Grund und Muster gleichfarbig, aber nicht gleichartig, also getrennt sind. Ein gezeichnetes Blatt (I) wird auf ein leeres Blatt (0) gelegt und die Striche dann an den Rändern entlang mit dem Skalpell umschnitten. Dabei werden zeitgleich die Graphitstriche gelöscht und die Schnittsilhouetten in das darunter liegende Blatt übertragen. "Auf beiden Blättern entstehen Leerstellen, Negative. Die Strichmenge wird substrahiert – fällt aus – und verdoppelt sich, als Komplement der Zeichnung, auf beiden Blättern“ (K.H.). Auf diese Weise werden die Blätter zu einer installativen "Figur“.

Bewegungsverläufe in der Natur wie ein Regenschauer stellen sich assoziativ beim Betrachten der Blätter ein. Solche naturhaften Bezüge können sich verflüchtigen und Raum geben für ein Panorama aus unregelmäßigen, leise fließenden, fast schwebenden Linien, die zu einem poetischen Bild von Bewegung, Flüchtigkeit und Durchlässigkeit werden.

5414 Marginalis, 2007
Tusche auf Papier, ausgeschnitten
42 x 29,7 cm, 750 EUR
Foto: Christian Blei, Düsseldorf

Katharina Hinsberg betreibt etymologische Feldforschungen und erprobt die Möglichkeiten von Zeichnung als Instrument der Sichtbarmachung von Wortbedeutungen (marginal, lat. am Rande, auf der Grenze liegend, in den unsicheren Bereich zwischen zwei Entscheidungsmöglichkeiten fallend). Der rote rechteckige Rahmen markiert ein vom Umraum separiertes Blickfeld und ist zugleich Rand zum Außenraum. Mit kleinen Nadeln vor die Wand gespannt, lässt die fragile Silhouettenform beides zu: im und außerhalb des abgesteckten Feldes Rand und Grenze wahrzunehmen. Zu entscheiden ist, ob der Rahmen die eingegrenzte Wandfläche zum Bild mit abstraktem Inhalt macht.

5411 Strichgitter, 2007
Tusche auf Papier, ausgeschnitten
76 x 56 cm, 1.800 EUR
Foto: Christian Blei, Düsseldorf

Das Werk von Katharina Hinsberg gründet auf einem ganz eigenen Begriff von Zeichnung, den Herbert Köhler in folgende Schritte gliedert: "Durchdenke das Außen, filtere es im Innen, sublimiere es in intuitiv-grafischen Gesten und suche eine Raumform für seine gewandelte Wiederkehr“. Es ist in dieser neuen Werkgruppe die Gitterstruktur, welche zur Raumform wird. Die ursprüngliche Zeichnung – rote, vertikal verlaufende Streifen im Wechsel mit dem Weiß des Bildgrundes – wird durch partielles Ausschneiden der roten Striche in eine Bewegungsform überführt, die sich reliefartig dem Dreidimensionalen öffnet. Der Blick streift über eine Vielzahl roter Farbstege, deren flimmernder Rhythmus dem Auge eine permanente Aufmerksamkeit abverlangt.


5412 Diaspern I+0, 2007
Graphit auf Papier, ausgeschnitten
je 210 x 150 cm, je 7.500 EUR
Foto: Christian Blei, Düsseldorf
5415 Diaspern I+0, 2007
Graphit auf Papier, ausgeschnitten
je 84,1 x 59,4 cm, je 1.700 EUR
Foto: Christian Blei, Düsseldorf
5414 Marginalis, 2007
Tusche auf Papier, ausgeschnitten
42 x 29,7 cm, 750 EUR
Foto: Christian Blei, Düsseldorf
5411 Strichgitter, 2007
Tusche auf Papier, ausgeschnitten
76 x 56 cm, 1.800 EUR
Foto: Christian Blei, Düsseldorf
Katharina Hinsberg Foto: Oswald Egger
  Pressemappe Katharina Hinsberg

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  Bio-Bibliografie Katharina Hinsberg

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  Andreas Brandt (geb. 1935)
o.T., 1979
Öl auf Leinwand, 115 x 190 cm
28.000 Euro
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  Günter Fruhtrunk (1923-1982)
VERT EXENTRIQUE, 1968
Acryl auf Leinwand, 190 x 180 cm
100.000 Euro
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  Rupprecht Geiger (1908-2009)
E 187, WV 115, 1952
Eitempera auf Holz, 83 x 100 cm
80.000 Euro
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  Kuno Gonschior (1935-2010)
Rote Punkte, 1970
Acryl und Leuchtfarbe auf Leinwand
185 x 185 cm, 85.000 Euro
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